Gattung
Die
Gattung Paprika (Capsicum), umgangssprachlich auch als Chili, Peperoni oder
Pfefferoni bezeichnet (siehe Etymologie), gehört zur Familie der
Nachtschattengewächse (Solanaceae). Es gibt viele verwandte Kulturpflanzenarten,
wie z.B. Kartoffeln (Solanum tuberosum), Tomaten (Solanum lycopersicum),
Auberginen (Solanum melongena) und auch alle Tabakarten (Nicotiana).
Es wird sowohl die Pflanze als auch die
Frucht als Paprika bezeichnet, vor allem für die Frucht gibt es noch weitere
Namen, die Unterschiede in Schärfe, Größe und auch Farbe kennzeichnen. Die am
weitesten verbreitete Art, zu der auch fast alle in Europa erhältlichen Paprika,
Peperoni und Chilis gehören, ist Capsicum annuum. Die meisten Paprika enthalten
den für die Schärfe verantwortlichen Stoff Capsaicin, erst in den 1950er Jahren
wurden mit den Gemüsepaprika milde Sorten gezüchtet, die fast keine Scharfstoffe
mehr enthalten.
Frucht Obwohl
die Frucht umgangssprachlich und kulinarisch meist als Schote bezeichnet wird,
handelt es sich botanisch gesehen um eine Beere. Die Fruchtwand besteht von
außen nach innen aus einer festen Haut, auch Exokarp genannt, gefolgt vom
eigentlichen Fruchtfleisch, dem Mesokarp und schließlich der Innenwand, dem
Endokarp. An der Innenseite der ehemaligen Fruchtblätter befindet sich das
deutlich hellere plazentale Gewebe, welches auch oftmals in Form von
Scheidewänden (Plazentarleisten) das Innere der Frucht in verschiedene, nicht
vollständig getrennte Kammern unterteilt. Auf der Plazenta und den Scheidewänden
sitzen die Samen, die zum Teil den kompletten Innenraum der Frucht ausfüllen.
Die Samen sind nierenförmig und glatt. Je nach Art ist ihre Farbe hellbraun bis
schwarz und das Tausendkorngewicht beträgt zwischen 5 und 8 Gramm.
Capsaicin
Die
Schärfe, die beim Verzehr von Chilis wahrgenommen werden kann, wird durch Stoffe
aus der Gruppe der Capsaicinoide, vor allem durch Capsaicin verursacht. Im
Gegensatz zu Stoffen, die die Geschmacksnerven auf der Zunge reizen, und damit
für die Geschmacksempfindungen süß, sauer, salzig, und bitter verantwortlich
sind, wird durch Capsaicin und dessen verwandte Stoffe ein Hitze- bzw.
Schmerzreiz verursacht. Je mehr Capsaicin eine Chili enthält, desto schärfer ist
sie. Die ab etwa 1950 in Ungarn gezüchteten süßen oder milden Paprika enthalten
fast kein Capsaicin mehr. Peperoni enthalten etwa 5 mal soviel, ungarische
scharfe Paprika etwa 10 mal soviel, Peperoncini etwa 50 mal soviel und sehr
scharfe Arten (Tepin, Habanero) etwa 1000 mal soviel Capsaicin. Neue Sorten
wiederum enthalten eine noch wesentlich höhere Capsaicin
Konzentration.
Das Capsaicin wird von Drüsenzellen gebildet, die sich auf
der Epidermis der Plazentawand befinden, es ist als gelbes, teilweise
kristallines Öl zwischen Zellwand und Cuticula zu finden. Da diese Drüsenzellen
die einzigen Produzenten von Capsaicinoiden innerhalb der Frucht sind, enthalten
die Plazenta und der Plazenta nahe Bestandteile der Frucht, wie die Samen oder
die Samenscheidewände, besonders hohe Konzentrationen der Scharfstoffe. Plazenta
und Samenscheidewände enthalten meist etwa 90 bis 99 % aller Capsaicinoide einer
Paprikafrucht, die Capsaicinkonzentration in der restlichen Frucht nimmt mit
zunehmender Entfernung von der Plazenta ab. Daher ist bei vielen scharfen Sorten
die Spitze weit weniger scharf als das Stielende der Frucht.
Scoville Units Ursprüngliches Verfahren nach
Scoville Wilbur L. Scoville beschrieb in seinem Artikel in The Journal of the
American Pharmacists Association eine Vorgehensweise zur Bestimmung des
Capsaicin-Gehalts durch Verdünnen und Verkosten. Probanden wurden gebeten, eine
immer weiter verdünnte Lösung der zu untersuchenden Probe zu verkosten und
auszusagen, ob sie Schärfe feststellen konnten oder nicht. Der Grad der
Verdünnung, bei dem keine Schärfe mehr festzustellen war, wurde als
Scoville-Grad (SCU für Scoville Units, auch: SHU für Scoville Heat Units)
angegeben. Paprika ohne feststellbare Schärfe haben somit den Scoville-Grad 0,
reines Capsaicin würde nach heutigem Kenntnisstand (je nach Quelle) zwischen
15.000.000 und
16.000.000 Scoville entsprechen. Das so beschriebene Verfahren hatte jedoch
einige nicht zu unterschätzende Einschränkungen: Zum einen besitzt jeder Mensch
eine unterschiedliche Toleranz gegenüber Capsaicin, zum anderen wird durch
ständige Capsaicinaufnahme diese Toleranzschwelle heraufgesetzt. Somit ist für
das Ergebnis nicht nur die Auswahl der Probanden ausschlaggebend, sondern auch,
wie viele Einzeltests bereits mit einem einzelnen Probanden durchgeführt
wurden.
Heute verwendetes Verfahren
Flüssigkeits-Chromatographie Obwohl die Scoville-Skala keinerlei
wissenschaftliche Grundlage besitzt, wird sie heute noch oft gebraucht, um
Schärfegrade von Chilis anzugeben. Zur Bestimmung wird ein
Hochleistungs-Flüssigchromatographie-Test (HPLC für High Performance Liquid Chromatography) verwendet. Dabei werden die
prozentualen Anteile der zwei häufigsten Capsaicin-Verbindungen (Capsaicin,
Di-Hydro-Capsaicin) sowie gelegentlich noch Nor-Di-Hydro-Capsaicin gemessen und
anschließend in das Scoville-Bezugssystem
umgerechnet.
Fehlerquellen bei der Bestimmung des
Scoville-Grades Viele Messungen – besonders angebliche Rekordmessungen –
der Scoville-Grade werden angezweifelt, da ohne Kalibrierung und Referenzstoffe
keine genauen Aussagen getroffen werden können.
Linderung wenn es zu scharf
war Falls man scharfe Speisen zu sich genommen hat und das Brennen im
Mund unerträglich wird, lindert reines Wasser die Schmerzen nicht. Ölhaltige und
emulgatorhaltige Substanzen wie Joghurt, Milch und Käse helfen in diesem Fall
schon eher. Festgestellt wurde auch, dass eine 10-prozentige Zuckerlösung
genauso effektiv ist wie Milch. Zucker oder Tomatensaft in sehr scharfen Speisen
reduzieren die Schärfe ebenfalls. Brennen der Haut kann durch Einreiben mit
Alkohol gestoppt werden. Bei Reizung empfindlicher Körperteile hilft etwas
Speiseöl.
Quelle: Wikipedia.ch |